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Libera Università di Bolzano

Mehr Unternehmertum für Südtirol

Bildung, Vernetzung und Innovationskultur im Fokus. Die Veranstaltung am 8. Juli diskutierte die nächste Entwicklungsphase des Südtiroler Entrepreneurship-Ökosystems.
Prof. Erik Stam. Bild: unibz
Prof. Erik Stam. Bild: unibz

Südtirol hat in den vergangenen fünfzehn Jahren ein dichtes Ökosystem für Unternehmertum aufgebaut. Die entscheidende Frage ist heute nicht mehr, ob es Institutionen, Programme und Unterstützungsangebote gibt. Die entscheidende Frage ist, wie flüssig dieses System für jene funktioniert, die gründen, ein Unternehmen übernehmen, in bestehenden Betrieben innovieren oder aus Forschung und Praxis neue Geschäftsmodelle entwickeln wollen.

Genau diese Frage stand im Zentrum der Veranstaltung „Entrepreneurial Eco System South Tyrol: Quo Vadis?“, die in Zusammenarbeit zwischen der Freien Universität Bozen und der Eurac Research entstand und gemeinsam durchgeführt wurde. Eröffnet wurde der Abend mit Grußworten von Landesrat Philipp Achammer, zuständig für Deutsche Bildung und Kultur, Bildungsförderung, Kulturgüter, Innovation, Forschung, Universität und Museen, von Professorin Marjaana Gunkel, Dekanin der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften und Management der Freien Universität Bozen, sowie von Professor Harald Pechlaner, Leiter des Center for Advanced Studies von Eurac Research. Organisiert und moderiert wurde die Veranstaltung von Thomas Maran, Ingrid Kofler und Christian Baccarella.

Die Organisatoren der Veranstaltung. Bild: unibz
Die Organisatoren der Veranstaltung. Bild: unibz

Den wissenschaftlichen Rahmen setzte Professor Erik Stam von der Utrecht University School of Economics, einer der international führenden Forscher zu Entrepreneurship-Ökosystemen. Stam zeigte, wie regionale Ökosysteme anhand zentraler Indikatoren bewertet werden können, darunter institutionelle Qualität, Kapitalverfügbarkeit, Talentbasis, Wissen, Kultur, Marktzugang und Vernetzung. Sein Benchmark machte deutlich: Südtirol steht im italienischen Vergleich sehr stark da. Im europäischen Vergleich mit leistungsfähigen mitteleuropäischen Regionen fällt das Bild differenzierter aus. Besonders positiv wurden die Qualität der Institutionen und die Verfügbarkeit von Kapital bewertet. Als wichtigstes Entwicklungsfeld zeigte sich dagegen die Vernetzung der Akteure. Dieses Thema wurde nicht nur im europäischen Vergleich sichtbar, sondern bereits im italienischen Benchmark: Südtirol verfügt über starke einzelne Bausteine, muss aber die Zusammenarbeit an den Schnittstellen weiter verbessern.

Die anschließende Podiumsdiskussion griff diese Diagnose auf und übertrug sie auf konkrete Südtiroler Herausforderungen. Es diskutierten Manuela Defant, Direktorin des Ressorts Innovation und Forschung, Museen, Denkmalpflege und Deutsche Kultur, Irmgard Lantschner, Direktorin des Amtes für Innovation, gewerbliche Schutzrechte und Unternehmensentwicklung der Handelskammer Bozen, Alexander Pichler, Vizepräsident des Tyrolean Business Angel Network, Katrin Höller, Vizepräsidentin des Unternehmerverbandes Südtirol, sowie Tanja Pichler, Präsidentin der Stiftung Museion.

Ein wiederkehrender Befund des Abends war: Die Qualität vieler Südtiroler Institutionen und Dienstleistungen ist hoch. Land Südtirol, Handelskammer, Freie Universität Bozen, NOI Techpark, Eurac Research, Verbände, Investoren und etablierte Unternehmen haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten ein Umfeld geschaffen, das Gründung, Innovation und Unternehmensentwicklung deutlich besser unterstützt als früher. Die nächste Entwicklungsstufe liegt nun darin, die Übergänge zwischen diesen Akteuren klarer zu organisieren. Für Unternehmerinnen und Unternehmer zählt nicht nur, wer Unterstützung anbietet. Entscheidend ist, ob der Weg von der Idee zur Beratung, von der Beratung zur Finanzierung, von der Finanzierung zu ersten Kunden und von dort zu Wachstum und Internationalisierung schnell, verständlich und durchgängig funktioniert.

Besonders intensiv diskutiert wurden drei Herausforderungen: Fachkräftemangel, Unternehmensnachfolge und Unternehmertum von Frauen. Alle drei Themen zeigen, dass ein gutes Ökosystem nicht nur Gründungen unterstützt, sondern auch bestehende Betriebe, neue Generationen und unterschiedliche Lebensentwürfe in den Blick nehmen muss. Vereinbarkeit von Beruf, Familie und unternehmerischer Verantwortung wurde dabei als Voraussetzung verstanden, damit mehr Menschen den Schritt ins Unternehmertum tatsächlich gehen können.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Innovations- und Fehlerkultur. Unternehmertum braucht Kapital, Beratung und Institutionen, aber ebenso ein Umfeld, in dem Experimentieren möglich ist und Fehler als Teil von Lernprozessen gelten. Kunst und Kultur können dazu wichtige Impulse geben, weil sie neue Perspektiven eröffnen, gewohnte Denkmuster irritieren und eine offenere Kultur für Veränderung fördern.

Als besonders langfristige Aufgabe wurde die Bildung hervorgehoben. Unternehmertum sollte in Schulen stärker als attraktive berufliche Option sichtbar werden, insbesondere in Oberschulen, Gymnasien und berufsbildenden Schulen. Schülerinnen und Schüler begegnen vielen möglichen Berufsbildern, doch das Unternehmersein erscheint dabei oft zu wenig als realistische, wertgeschätzte und gesellschaftlich wichtige Karriereperspektive. Genau hier braucht es mehr Aufmerksamkeit: Unternehmerinnen und Unternehmer sollten nicht nur als Personen gezeigt werden, die ein Unternehmen besitzen, sondern als Menschen, die Verantwortung übernehmen, Chancen erkennen, Arbeitsplätze schaffen, Innovation ermöglichen und wirtschaftliche Entwicklung gestalten. Unternehmertum muss daher in der Bildung früher, positiver und konkreter vorkommen, damit junge Menschen es als eine mögliche Vision für ihren eigenen beruflichen Weg wahrnehmen.

Die Veranstaltung verstand sich als Auftakt für eine vertiefte Auseinandersetzung mit der nächsten Entwicklungsphase des Südtiroler Entrepreneurship-Ökosystems. Südtirol muss sein Ökosystem nicht neu aufbauen. Es verfügt bereits über starke Institutionen, engagierte Unternehmen, wertvolle Beratungsangebote, wachsende Investorenstrukturen und eine hohe Qualität der Unterstützung. Entscheidend wird nun, diese Qualität für Gründerinnen, Gründer, Nachfolgerinnen, Nachfolger, Innovatorinnen, Innovatoren und mögliche Ausgründungen leichter zugänglich und besser aufeinander abgestimmt zu machen.

Die zentrale Botschaft des Abends war klar: Südtirol braucht nicht mehr Einzelteile, sondern bessere Übergänge. Wenn die hochwertigen Institutionen des Landes an den entscheidenden Schnittstellen enger zusammenarbeiten, kann aus einem starken Standort ein noch wirksameres Ökosystem für mehr Unternehmertum, Innovation und Wachstum werden.

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