RE-LOCI: Vom Hof ins Regal
Di Martina Hofer
Buschbohnen, Safran, Beeren oder verarbeitete Bio-Produkte - auf vielen Südtiroler Höfen werden hochwertige Lebensmittel produziert. Verkauft werden sie meist direkt ab Hof, am Markt oder über kleine Netzwerke. Der Schritt in den Supermarkt bleibt für viele landwirtschaftliche Produkte abseits von Äpfeln, Wein und Milchprodukten unrealistisch. Zu klein die Mengen, zu komplex die Logistik und zu wenig planbar für den Handel. Genau hier setzt nun das Projekt „RE-LOCI – Lokale Lebensmittelnetzwerke für die Resilienz des Agrar- und Ernährungssystems in Südtirol“ an, das am Dienstag in Bozen vorgestellt worden ist.
Das dreijährige ESFR-Projekt, welches die Freie Universität Bozen gemeinsam mit Koncoop, dem Verband der Südtiroler Konsumgenossenschaften, durchführen wird, hat zum Ziel, die Wertschöpfungskette stärker regional zu verankern und ein Beschaffungssystem für nachhaltige lokale Produkte zu entwickeln, das gemeinsam mit Konsumgenossenschaften umgesetzt werden soll.
Im Mittelpunkt des Projekts stehen die Menschen selbst. Bäuerinnen und Bauern sowie Konsument:innen arbeiten in moderierten Treffen gemeinsam an Lösungen. Sie sagen, was sie brauchen, was funktioniert und wo es hakt. Aus diesem gemeinsamen Austausch soll ein Modell entstehen, das aufzeigen soll, wie regionale Lebensmittel nachhaltig, fair und wirtschaftlich sinnvoll organisiert werden können – auch über Südtirol hinaus.
Das Projekt gliedert sich dabei in drei Phasen und geht von der Kartierung bewährter Praktiken und Produzent:innen über eine Bedürfniserhebung bis hin zu einer Konzeption neuer Beschaffungs- und Logistikmodelle. Diese sollen anschließend getestet, ausgewertet und weiterentwickelt werden – etwa durch Kooperationen mit Einkaufsgemeinschaften (GAS).
Die Wirtschaftssoziologin und Forscherin an der Freien Universität Bozen Federica Viganò bringt dabei partizipative Methoden ins Projekt ein und moderiert den Austausch mit lokalen Akteur:innen. Die Wirtschaftsingenieurwissenschaften unter Prof. Guido Orzes übersetzen diese Perspektiven in konkrete Werkzeuge – von Nachhaltigkeitsindikatoren bis hin zu Monitoring- und Bewertungssystemen. Auch eine eigene Zertifizierung für diese Produkte wird angedacht.
„Das erwartete Ergebnis ist ein skalierbares Modell, das von Genossenschaften und Regionen übernommen werden kann und so zur öko-sozialen Transformation sowie zur Erreichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung beiträgt“, erklärte Federica Viganò bei der Vorstellung des Projekts. Abgerundet wurde die Veranstaltung mit einer Podiumsdiskussion.
Dabei wurde deutlich, dass Resilienz in der Landwirtschaft nur mit klaren Rahmenbedingungen funktioniert: Astrid Weiss, Mitarbeiterin im Bereich Innovation & Energie im Südtiroler Bauernbund, betonte, dass Betriebe vor allem Orientierung brauchen. „Sie müssen verstehen: Was kann ich auf meiner Anbaufläche machen, was kostet die Produktion und wo habe ich Abnehmer.“ Ulrich Gamper, Biobauer und Mitbegründer von Biokistl Südtirol, schilderte die harte Realität neuer Initiativen und hielt fest: „Man muss Idealist sein, aber auf Dauer muss sich das auch im täglichen Leben tragen – ohne Startkapital, Organisation und Marktkenntnis ist es schwierig.“ Koncoop-Generaldirektor Roland Morat unterstrich schließlich die Perspektive des Handels und der Konsumenten: „Die Idee ist nicht, etwas völlig Neues zu erfinden, sondern gemeinsam zu schauen, was die Leute wirklich wollen, und es so zu organisieren, dass das Produzierte auch gekauft wird.“ Nur so könne regionale Vielfalt Teil des Alltagskonsums werden.
RE-LOCI versteht sich aber auch als wichtiges Projekt, um den Herausforderungen des Klimawandels und der zunehmenden sozialen Ungleichheiten zu begegnen und europäische Strategien wie die Agenda 2030 und die Farm-to-Fork-Strategie mit den lokalen Rahmenwerken – insbesondere der regionalen Entwicklungsstrategie 2021–2027 und dem Klimaplan 2040 – in Einklang zu bringen.
Persone nell’articolo: Alessandra Piccoli, Federica Viganò, Guido Orzes