Dachbodenfund beleuchtet die Anfänge von Mies van der Rohe: Vortrag an unibz
Von Redaktion
Was vor einigen Jahren als ungesichteter Ankauf bei einer Online-Auktion begann, erwies sich als kulturhistorischer Glücksfall: Das umfangreiche Konvolut aus dem Nachlass von Sophie und Alois Riehl umfasst rund 1.000 Briefe und Dokumente aus ihrer Korrespondenz und ihrem familiären Umfeld. Sie eröffnen neue, sehr persönliche Einblicke in das Leben des aus Bozen stammenden Philosophen und Universitätsprofessors Alois Riehl (1844–1924) und seiner Frau Sophie (1855–1928). Alois Riehl war der Bruder des in Südtirol bekannten Eisenbahnpioniers, Ingenieurs und Unternehmers Josef Riehl (1842–1917).
In seinem Vortrag an der Freien Universität Bozen präsentiert der Bauingenieur, Sachverständige und Sammler Carsten Kriegenburg den außergewöhnlichen Fund erstmals öffentlich. Unter dem Titel „Die ‚Mies‘-Macher: Das Ehepaar Sophie & Alois Riehl und Ludwig Mies van der Rohe“ gibt er einen ersten Überblick über das bislang weitgehend unbekannte Material und beleuchtet dessen Bedeutung für die Philosophie-, Kultur- und Architekturgeschichte.
Zum Fund zählen neben der umfangreichen Korrespondenz rund 60 Autochrome aus den Jahren 1910 bis 1913. Die seltenen frühen Farbfotografien zeigen die Familie Riehl, historisch wertvolle Aufnahmen von Südtiroler Orten und Landschaften wie dem Ritten, Rosengarten und Schlern sowie Bozen, Seis und Kastelruth. Von besonderer architekturhistorischer Bedeutung sind die Aufnahmen des Hauses Riehl in Potsdam-Neubabelsberg, auch „Klösterli“ genannt. Das 1908 bis 1909 errichtete Gebäude gilt als Erstlingswerk Ludwig Mies van der Rohes und wurde bald zu einem wichtigen Ort des geistig-kulturellen Austauschs. Durch die sorgfältige Auswertung des Fundes kann Kriegenburg belegen, welche entscheidende Rolle Sophie und Alois Riehl als frühe Förderer und „Macher“ Ludwig Mies van der Rohes spielten.
Erschlossen wurde der Dachbodenfund von Carsten Kriegenburg. Er sammelt seit Jahrzehnten historische Film- und Fototechnik sowie entsprechende Bilddokumente. Das Riehl-Konvolut erwarb er bei einer Online-Auktion, ohne seinen genauen Inhalt zu kennen. Seither transkribiert und erforscht er die Dokumente mit großem persönlichem Einsatz und ergänzt sie durch umfangreiche Recherchen. Anstatt das Konvolut aufzuteilen oder einzulagern, macht er es nun erstmals einer breiteren Öffentlichkeit und der Forschung zugänglich.
Der Vortrag „Die ‚Mies‘-Macher: Das Ehepaar Sophie & Alois Riehl und Ludwig Mies van der Rohe“– Ein Dachbodenfund wird erstmals öffentlich vorgestellt“ findet am Mittwoch, 23. September, um 19 Uhr im Raum D1.01 am Campus Bozen Zentrum statt. Die öffentliche Veranstaltung wird von der Plattform Kulturerbe und Kulturproduktion der Freien Universität organisiert.