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Libera Università di Bolzano

Nicht der erste Plan, aber der richtige

Ein Studienwechsel, gescheiterte Aufnahmeprüfungen und eine Nacht, die ihr Leben verändert hat. Valentina Campanellas Weg verlief anders als geplant – doch hat sie ihren Traumjob gefunden.

Di Martina Hofer

Eine Person macht ein Spiegelselfie in einem hellen Raum mit grünen Wänden, Tischen, Stühlen und Schränken.
Sozialpädagogin Valentina Campanella aus Lana arbeitet in der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Krankenhaus Meran. Foto: Privat

Es gibt Tage, an denen sie mehr zuhört als spricht. In der Kinder- und Jugendpsychiatrie Meran sitzt Valentina Campanella Jugendlichen gegenüber, deren Leben aus dem Gleichgewicht geraten ist. Angststörungen, Depressionen, Autismus, familiäre Krisen – kein Gespräch gleicht dem anderen. „Manchmal reicht schon ein kleiner Fortschritt", sagt die 32-Jährige aus Lana. „Dann weißt du wieder, warum du diesen Beruf gewählt hast." 

Seit acht Jahren arbeitet die Absolventin der Freien Universität Bozen als Sozialpädagogin auf der Station der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Meraner Krankenhaus. Ein Arbeitsalltag, der Empathie, Fachwissen und Geduld verlangt – und einer, den sie sich während ihrer Schulzeit so nie hätte vorstellen können. „Ich wusste immer nur eines: Ich möchte mit Kindern und Jugendlichen arbeiten“, beginnt Valentina Campanella zu erzählen. Der Weg dorthin verlief allerdings alles andere als geradlinig.

Zwei Personen stehen im Freien nebeneinander und lächeln in die Kamera. Eine Person trägt einen akademischen Talar und Barett.
Freute sich nach Umwegen über den Abschluss: Valentina Campanella mit ihrem Bruder am Campus Brixen. Foto: Privat

Beim Alten Testament stieg Campanella aus

Nach der Matura am sozialwissenschaftlichen Gymnasium in Meran schrieb sich Valentina Campanella zunächst für ein Studium der Religionspädagogik an der Universität Innsbruck ein. Ausschlaggebend dafür war eine Oberschullehrerin gewesen. Sie hatte den Religionsunterricht so weit über Glaubensfragen hinaus gestaltet, dass sie die Jugendliche stark für Ethik, Philosophie und die großen Fragen des Lebens begeistern konnte. Doch schon nach kurzer Zeit an der Uni stellte sie fest, dass ihre Erwartungen und die Realität weit auseinander lagen. „Ab dem zweiten Jahr wurde das Studium sehr theologisch, wir mussten die Testamente lernen. Das war nicht das, was ich mir vorgestellt hatte“, erinnert sie sich an das Jahr 2014. Auf der Suche nach einem praxisorientierteren Studium informierte sie sich über verschiedene Alternativen und stieß schließlich auf das Studium der Sozialpädagogik am Campus Brixen. 

Der Schritt bedeutete allerdings weniger einen Wechsel als vielmehr einen Neustart. Denn die in Österreich erbrachten Uni-Leistungen konnten nur teilweise anerkannt werden, die Aufnahmeprüfung meisterte Campanella gar erst nach mehreren Anläufen. Zwei Jahre lang studierte sie darum als außerordentliche Studentin, legte dennoch eine Prüfung nach der anderen ab und verlor ihr Ziel nie aus den Augen.

Eine Person mit Krone und Schärpe hält auf einer Bühne einen großen Blumenstrauß und lächelt während einer Preisverleihung.
2015 wurde die unibz-Studentin über Nacht im ganzen Land bekannt. Foto: www.zett.it

Zwischen Studium und ihrem Amt als „Zett“-Miss Südtirol

Ausgerechnet in dieser Zeit wurde ihr Leben über Nacht auf den Kopf gestellt. Im Oktober 2014 gewann sie im Kursaal von Meran nämlich den Titel der „Zett“-Miss Südtirol 2015. Es folgten Veranstaltungen, Medientermine und Modeljobs. „Viele verbinden mein Amt als Miss vor allem mit Spaß und vielen tollen Erfahrungen. Für mich war es aber vor allem das Jahr, in dem ich neben meinen Hostess-Jobs für Red Bull unglaublich viel für die Universität gelernt habe.“ Heute weiß sie, dass es gerade diese intensive Zeit war, die ihr zeigte, wie sehr sie das Studium der Sozialpädagogik begeisterte.

Vor allem der hohe Praxisbezug blieb ihr bis heute in Erinnerung. Gemeinsam mit ihren Mitstudierenden besuchte sie Wohngemeinschaften, das Kinderdorf, sozialpädagogische Einrichtungen sowie unterschiedliche Betreuungsangebote für Kinder und Jugendliche in Südtirol. Theorie und Praxis griffen ineinander.„Zum ersten Mal konnte ich mir wirklich vorstellen, wie mein späterer Beruf aussehen könnte“, sagt die Lanaerin. Mit jedem Semester wuchs die Gewissheit, den richtigen Studiengang gefunden zu haben.

ine Frau sitzt im Freien inmitten mehrerer Kinder, die sie lachend umarmen. Einige der Kinder tragen bunte Gesichtsbemalung. Die Szene vermittelt Freude, Nähe und Gemeinschaft.
Vor dem Berufseinstieg ging es für Campanella mehrere Monate als Entwicklungshelferin nach Namibia, eine prägende Zeit. Foto: Privat

Nie wie eine Nummer gefühlt

Dass die Studiengruppen an der unibz überschaubar sind, empfand sie dabei als großen Vorteil. „Man war nie einfach eine Nummer“, sagt Valentina Campanella, auch wenn sie sich manchmal wie in einer Oberschulklasse gefühlt hat. Denn über mehrere Jahre hinweg entstand eine Gemeinschaft, aus der bis heute berufliche und private Kontakte geblieben sind. Einige ihrer ehemaligen Studienkolleginnen arbeiten inzwischen ebenfalls im Sozialbereich. Eine davon sogar gemeinsam mit ihr in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Dort kommt ihr heute auch die Mehrsprachigkeit zugute, die an der Freien Universität Bozen gelehrt und gelebt wird. „Psychologie auf Englisch war zwar anspruchsvoll. Aber rückblickend bin ich froh darüber. Man lernt Fachbegriffe in einer weiteren Sprache und erweitert den eigenen Horizont.“ 

Vom Praktikum in den Job

Bevor sie jedoch ins Berufsleben startete, erfüllte sie sich noch einen lang gehegten Wunsch. 2017 ging es für die sozial engagierte junge Frau für mehrere Monate als Entwicklungshelferin nach Namibia. „Wenn nicht jetzt, wann dann, habe ich mir gedacht und bin einfach gestartet“, erzählt die Sozialpädagogin, der heute noch das Herz aufgeht, wenn sie an diese Reise zurückdenkt. Die Erfahrungen mit Kindern und Jugendlichen vor Ort prägten sie nachhaltig und erweiterten ihren Blick auf ihren späteren Beruf, den sie 2018 angetreten hat – ohne Bewerbung.

„Ich durfte schon während meines Studiums auf der Station ein Pflichtpraktikum absolvieren“, erzählt sie. Die Arbeit begeisterte sie so sehr, dass sie deutlich mehr Praktikumsstunden absolvierte als vorgeschrieben. Kurz darauf erhielt sie das Angebot, im Team zu bleiben. 

Seit 2018 begleitet sie dort Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen auf ihrem Weg zurück in einen stabileren Alltag. Die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen psychologischen Ansätzen, der professionelle Umgang mit Nähe und Distanz oder sozialpädagogische Handlungskonzepte gehören längst zu ihrem Berufsalltag – ebenso wie notorischer Personalmangel. 

Gerade deshalb hofft sie, dass sich die Konditionen in ihrem Job ein bisschen anpassen und künftig wieder mehr Studierende diesen Studiengang wählen und in den Beruf finden. Ob sie sich heute noch einmal für die Freie Universität Bozen entscheiden würde? Campanella muss nicht lange überlegen. „Ja. Weil ich dort nicht nur einen Studienabschluss gemacht habe. Ich habe dort herausgefunden, wo ich hingehöre.“

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