Die Weichen für die Zukunft des Wasserstoffs in Südtirol werden an der unibz gestellt
Von Redaktion
Seit Jahren wird Wasserstoff als zukunftsweisender Energieträger diskutiert. Doch wo stehen wir heute, und welche Perspektiven bietet diese Ressource für Trentino-Südtirol? Antworten auf diese Fragen lieferte HYDRO – „Wasserstoffwirtschaft und nachhaltige Mobilität: Analyse der territorialen und sozialen Auswirkungen in den Provinzen Trient und Bozen“, ein von der Brennerautobahn (A22) finanziertes Projekt unter der Koordination von Federica Viganò, Forscherin für Wirtschaftssoziologie an der Freien Universität Bozen. Die Ergebnisse wurden heute im NOI Techpark in Bozen im Rahmen der Abschlussveranstaltung des Projekts vorgestellt, an der Vertreterinnen und Vertreter beider Landesverwaltungen sowie der unibz teilnahmen.
Der Übergang zu einem nachhaltigen Energiesystem erfordert einen tiefgreifenden Wandel, der erneuerbare Energiequellen integriert und die CO₂-Emissionen reduziert. In diesem Zusammenhang gewinnt Wasserstoff zunehmend an Bedeutung – auch dank der 3,2 Milliarden Euro, die im Rahmen des Nationalen Aufbau- und Resilienzplans (PNRR) für Forschung, Erprobung und Einführung wasserstoffbasierter Lösungen bereitgestellt wurden. Das im November 2023 gestartete und bis Mai 2026 laufende Projekt HYDRO zielt darauf ab, das Potenzial von Wasserstoff in den Provinzen Bozen und Trient zu untersuchen, seine wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Auswirkungen zu bewerten sowie die gesellschaftliche Akzeptanz zu analysieren. Ziel ist es, den Einsatz von Wasserstoff zu begleiten und dabei Chancen und kritische Aspekte in den Bereichen Verkehr, Industrie und öffentliche Nutzung aufzuzeigen.
In diesem Zusammenhang übernimmt die Freie Universität Bozen eine zentrale Rolle in der Forschung und im Dialog mit dem Land Südtirol. „Mit dem Projekt HYDRO bestätigt die Freie Universität Bozen ihr Engagement, die Forschung in den Dienst des Landes zu stellen und zur Energiewende beizutragen“, erklärt Prof. Alex Weissensteiner, Rektor der unibz. Den Landesinstitutionen kommt in diesem Prozess eine wesentliche Rolle zu. Sie sind gefordert, eine gemeinsame strategische Vision zu definieren und Forschungsergebnisse in konkrete politische Maßnahmen zu überführen.
Das Projekt ist Teil des umfassenderen Engagements der Brennerautobahn für die Dekarbonisierung des Verkehrs. Es leistet zudem einen Beitrag zur nachhaltigen Innovation entlang des Brennerkorridors und unterstreicht gleichzeitig den Mehrwert der Zusammenarbeit zwischen Forschung, Institutionen und Infrastrukturbetreibern. „Damit sich ein sauberer Energieträger wie grüner Wasserstoff am Markt etablieren kann, ist eine flächendeckende Betankungsinfrastruktur notwendig“, erklärt Carlo Costa, Technischer Generaldirektor der Brennerautobahn. „Dieser Herausforderung haben wir uns frühzeitig gestellt. Bereits 2014 wurde in Bozen das erste Zentrum Italiens für die Produktion und Verteilung von grünem Wasserstoff eröffnet. Inzwischen wurden vier PNRR-Ausschreibungen für weitere Verteilzentren gewonnen.“ Die Baustellen in Sadobre, an der Raststätte Paganella Ost und West sowie in Verona Nord sind bereits in Umsetzung. Ziel sei es, entlang der A22 alle 50 Kilometer einen Wasserstoffstandort zu realisieren, so Costa.
Um diese Vision konkret umzusetzen, wurde ein partizipativer Ansatz gewählt. Dieser basiert auf thematischen Arbeitsgruppen, Fokusgruppen und territorialen Living Labs. Die Instrumente ermöglichen die aktive Einbindung von Institutionen, Unternehmen und Bürger:innen. Ziel ist die gemeinsame Entwicklung von Szenarien zur zukünftigen Rolle von Wasserstoff, gleichzeitig wird das Bewusstsein für die Energiewende gestärkt. An den Diskussionsrunden, die im Rahmen von zwei Workshops im Jahr 2025 stattfanden, nahmen Vertreterinnen und Vertreter aus Institutionen, Wirtschaft, Wissenschaft und der Bevölkerung teil und brachten ihre jeweiligen Perspektiven ein.
„Eine Besonderheit des Projekts ist der soziologische Zugang zum Thema“, erklärt Viganò. „Er hat es ermöglicht, die Wahrnehmung der beteiligten Stakeholder systematisch zu erfassen. Derzeit gibt es keinen eindeutig vorgezeichneten Weg, vielmehr bestehen mehrere Handlungsoptionen. Diese hängen stark von politischen Entscheidungen und von der Definition klarer Strategien in den beteiligten Territorien ab.“
Die unibz-Forscherinnen Francesca Uleri und Giada Coleandro stellten die zentralen Ergebnisse des Projekts vor. Sie wiesen darauf hin, dass die derzeit noch hohen Kosten von Wasserstoff eine große Herausforderung darstellen. Zudem betonten sie, dass Wasserstoff nicht als alleinige Lösung der Energiewende zu verstehen sei. Er stelle vielmehr einen ergänzenden Baustein dar. Besonders relevant sei er jedoch in sogenannten hard-to-abate-Sektoren. Dazu zählen unter anderem die Papier-, Zement- und Keramikindustrie.
An der Veranstaltung nahmen auch SASA-Generaldirektor Ruggero Rossi de Mio und Sara Verones, Leiterin des Amts für Studien und Planung der Energieressourcen der Provinz Trient, teil.
Die Veranstaltung stellte eine wichtige Gelegenheit für Rückmeldung und Dialog über mögliche Entwicklungsszenarien von Wasserstoff in alpinen Regionen dar und bot wertvolle Anhaltspunkte zur Ausrichtung zukünftiger strategischer und politischer Entscheidungen auf Landesebene.
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