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Free University of Bozen-Bolzano

Zuerst flicken wir unsere Kleidung, dann das System

Fashion For Future, das Festival für Mode, Nachhaltigkeit und gesellschaftlichen Wandel in Südtirol, lädt vom 21. bis 25. April ein, den Umgang mit Kleidung neu zu denken und zu gestalten.

By Rosmarie Hagleitner

Vier Erwachsene stehen nebeneinander vor einem Schaufenster mit gezeichneten Blumenmotiven und lächeln in die Kamera.
Susanne Barta (Journalistin und Slow Fashion Expertin), Annalena Egger (OEW – Organisation für Eine solidarische Welt), Prof. Aart van Bezooijen (unibz), Brigitte Gritsch (Südtiroler Weltläden). Foto: Salma Remadi

Unter dem Motto „Fixing Fashion – Kleidung reparieren, das System revolutionieren“ rückt die vierte Ausgabe von Fashion For Future  das Reparieren ins Zentrum. Inspiriert vom Leitsatz der internationalen Fashion-Revolution-Bewegung – „First we mend our clothes, then we mend the system“– geht es dabei um weit mehr als um Nadel und Faden: Flicken und Reparieren wird zur Haltung und zum sichtbaren Gegenentwurf zu Überkonsum, Ressourcenverschwendung und intransparenten Lieferketten. Auch in Südtirol engagieren sich immer mehr Initiativen für faire und nachhaltige Alternativen. Diese sichtbar zu machen, Akteure zu vernetzen und Menschen zum Mitmachen zu inspirieren, ist ein zentrales Anliegen von Fashion For Future.

Organisiert wird das Festival auch in diesem Jahr von der Fakultät für Design und Künste der unibz, der OEW – Organisation für Eine solidarische Welt, dem Netzwerk der Südtiroler Weltläden sowie der Slow Fashion Expertin Susanne Barta.

Was Fashion For Future so besonders macht: Es geht nicht nur darum, was getan wird, sondern wie. Besucherinnen und Besucher erwartet ein offenes, partizipatives Programm, das Austausch, Kreativität, gemeinsames Handeln und Reflexion miteinander verbindet. Den Auftakt macht am Dienstag, 21. April, ein Warm-up an der Freien Universität Bozen mit Workshops und einem ersten Talk. „Die Universität versteht sich als offener Raum für kritischen Diskurs und konkrete Lösungen. Fashion For Future verbindet Wissen mit Praxis und macht Transformation erlebbar“, betont Aart van Bezooijen, Professor für Material Driven Design an der Freien Universität Bozen.

Insgesamt bietet das Festival ein vielseitiges Angebot: von Workshops und Vorträgen über eine Ausstellung und eine Fashion Show bis hin zu einem Atelierbesuch, einer Kleidertauschparty, einer Slow-Fashion-Tour und Nähcafés in Bozen, Brixen, Meran und Bruneck.

Ein zentrales Highlight ist der Open Talk mit Caterina Occhio am 22. April im WAAG Café. Als Vorstandsmitglied der World Fair Trade Organisation (WFTO) und Beraterin der UNIDO bringt sie internationale Perspektiven ein, analysiert globale Lieferketten und die damit verbundenen Arbeitsrealitäten und ordnet das Label „Made in Italy“ kritisch im internationalen Kontext ein. Im Anschluss eröffnet die Designerin und Researcherin Alexandra Fruhstorfer ihre Ausstellung Inside Dust. In ihrer Arbeit wirft sie einen kritischen Blick auf die Recyclingversprechen in der Modebranche und zeigt, wie eng Textilien weiterhin mit fossilen Ressourcen verknüpft sind.

Auch im Stadtraum wird das Festival sichtbar. Eine Plakatkampagne in den Weltläden sowie in Bozen, Brixen, Bruneck und Meran setzt klare Statements und lädt dazu ein, den eigenen Konsum zu hinterfragen. Gleichzeitig wird in den Nähcafés im öffentlichen Raum bewusst sichtbar gemeinsam geflickt, geändert und neu gedacht. Kleidung wird hier nicht entsorgt, sondern neu wertgeschätzt.

Die Fashion Show rückt Secondhand- und Fair-Trade-Mode auf den Laufsteg und macht sichtbar, dass Stil und Verantwortung kein Widerspruch sind, sondern vielmehr eine Frage der Haltung. Fester Bestandteil des Festivals ist auch der „Slow Fashion Walk & Talk“ durch Bozen, bei dem lokale Labels und Ateliers ihre Türen öffnen und Einblicke in alternative Produktionsweisen geben.

Das Festival fällt bewusst in den Zeitraum rund um den internationalen Fashion Revolution Day am 24. April, an dem in über 75 Ländern Aktionen für eine faire und transparente Modeindustrie organisiert werden. Dieser erinnert an den Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch im Jahr 2013, bei dem über 1.100 Menschen ums Leben kamen und Tausende verletzt wurden – eine Katastrophe, die globale Missstände der Modeindustrie sichtbar machte.

Die meisten Events finden an der unibz sowie im WAAG in Bozen statt.

Weitere Informationen und das ausführliche Programm finden sich unter: fashionforfuture.bz.it

Beitrag nur auf Deutsch verfügbar