Fünf Tage im Zeichen des Fahrrads an der unibz
By Editorial Team
Bozen zählt zu den fahrradfreundlichsten Städten Italiens. Gleichzeitig machen ein hohes Verkehrsaufkommen, Luftverschmutzung und Fragen der Verkehrssicherheit deutlich, dass nachhaltige und gerechte Mobilität eine fortlaufende gesellschaftliche Aufgabe bleibt. Mit der mehrtägigen öffentlichen Veranstaltung „Common Frames: People, Planet, Bikes“ laden die Fakultät für Design und Künste und das Kompetenzzentrum für Nachhaltigkeit der Freien Universität Bozen alle Interessierten dazu ein, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen. Im Mittelpunkt steht das Fahrrad – nicht nur als Fortbewegungsmittel, sondern Ausgangspunkt für Überlegungen zu Nachhaltigkeit, Gemeinschaft und der Zukunft des öffentlichen Raums.
Der Titel des Events greift bewusst das bekannte Nachhaltigkeitsmodell „People, Planet, Profit“ auf und interpretiert es neu. An die Stelle des Profits rückt das Fahrrad ins Zentrum. Als ebenso einfache wie ausgefeilte Technologie, die industriell gefertigt und für alle zugänglich ist, verkörpert das Fahrrad ein anderes Verständnis von Moderne. Nicht wirtschaftliches Wachstum allein bestimmt ihren Wert, sondern die Fähigkeit, den Alltag zu erleichtern, öffentliche Räume lebenswerter zu machen und das gesellschaftliche Miteinander zu stärken.
„Das Fahrrad ist für uns weit mehr als ein Verkehrsmittel. Es schafft Gemeinschaft, eröffnet neue Perspektiven auf Nachhaltigkeit und zeigt, wie Mobilität zu einem sozialen und kreativen Werkzeug werden kann“, sagt Jacopo Ammendola vom Kompetenzzentrum für Nachhaltigkeit der Freien Universität Bozen. „Mit der Veranstaltung möchten wir Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Blickwinkeln zusammenbringen und gemeinsam diskutieren, wie Technologie, Design und Mobilität dazu beitragen können, Städte zu gestalten, die mehr sind als effiziente Systeme – Orte, die Begegnung ermöglichen, Teilhabe fördern und die Lebensqualität ihrer Bewohnerinnen und Bewohner in den Mittelpunkt stellen.“
In der Ausstellung „Creating Cycling“ wird sichtbar, wie vielfältig die Auseinandersetzung mit dem Thema Fahrrad an der unibz bereits ist. Vom 2. bis 7. Juli werden im Korridor vor der Universitätsbibliothek erstmals zahlreiche fahrradbezogene Projekte gemeinsam präsentiert – von Produktdesign über Eco-Social Design bis hin zu grafischen Arbeiten und Initiativen aus der lokalen Fahrradkultur. Viele der ausgestellten Projekte entstanden im Rahmen von Lehrveranstaltungen, Bachelor- und Masterarbeiten und zeigen, wie intensiv sich Studierende und Forschende seit Jahren mit dem Thema Fahrrad auseinandersetzen.
Zu den vorgestellten Projekten zählt auch das FABRAD, ein Lastenrad-Sharing-Projekt für die unibz-Community, das gemeinsam mit dem BITZ unibz fablab entwickelt wurde. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur das Fahrrad selbst, sondern die Frage, wie neue Nutzungsmodelle nachhaltige Mobilität im Alltag erleichtern können. „Gutes Design endet nicht beim Produkt. Spannend wird es dort, wo aus einem Fahrrad ein gemeinschaftlich nutzbares System wird, das Menschen unkompliziert Zugang zu nachhaltiger Mobilität ermöglicht“, erklärt Prof. Aart van Bezooijen von der Fakultät für Design und Künste.
Begleitet wird die Ausstellung von der Präsentation des Buches „A.C. Confidential. La mia vita tra arte, bicicletta e design“, eine ebenso persönliche wie inspirierende Reise durch das Leben von Antonio Colombo, Fahrradpionier, Designer und prägende Figur der italienischen Fahrradkultur. Anschließend werden internationale Kurzfilme gezeigt, die das Fahrrad als kulturelles und soziales Werkzeug in den Mittelpunkt stellen und erzählen, wie Radfahren Gemeinschaft entstehen lässt und neue Perspektiven auf das Zusammenleben eröffnet.
Von der Reflexion geht „Common Frames“ bewusst in die Praxis über: Am Donnerstag, 2. Juli, lädt der DIY-Workshop „MAKE A FAKE“ in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen FREITAG dazu ein, selbst kreativ zu werden und kleine Taschen aus LKW-Planen herzustellen. Am Freitag, 3. Juli, folgt der kostenlose Workshop „Repair & Care“, organisiert gemeinsam mit der Bozner Initiative Pedale Radicale. Interessierte können ihr eigenes Fahrrad mitbringen, grundlegende Reparatur- und Wartungsarbeiten erlernen, Werkzeuge nutzen und Erfahrungen austauschen. Eine Anmeldung wird empfohlen. Beim Workshop „Bike to the Future“ diskutieren Vertreterinnen und Vertreter aus Forschung, Verwaltung und Institutionen über die Rolle von Universität und Forschungseinrichtungen bei der Förderung nachhaltiger Mobilität in Bozen.
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