Internationales Handels- und Steuerrecht. Forschungszentrum gegründet
Von Redaktion
Die Freie Universität Bozen hat kürzlich ein neues Kompetenzzentrum für International Business and Tax Law eingerichtet. Eine Initiative, die darauf abzielt, das Know-how an der Universität auch in diesem Bereich stärker für die Herausforderungen einer Region und ihrer Unternehmen nutzen zu können, die – wie Südtirol – stark grenzüberschreitend ausgerichtet sind. Die geografische Lage sowie die gefestigten historischen, kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen zum deutschsprachigen Raum machen den lokalen Kontext besonders anfällig für die Dynamiken internationaler Märkte und grenzüberschreitender Transaktionen. Vor diesem Hintergrund soll das neue Kompetenzzentrum als interdisziplinärer Wissenshub für einige der aktuellen und strategisch wichtigsten Themen des internationalen und europäischen Handels- und Steuerrechts dienen.
Das Kompetenzzentrum ist in die Aktivitäten der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften eingebettet und soll Exzellenforschung betreiben, indem wissenschaftliche Vertiefung, hochqualifizierte Ausbildung und die praktische Anwendung von Forschungsergebnissen miteinander verbunden werden. Seine Aktivitäten werden sich insbesondere auf zwei Schwerpunkte konzentrieren: zum einen auf das internationale und europäische Steuerrecht, zum anderen auf das Handelsrecht, mit besonderem Augenmerk auf Unternehmenstransaktionen (M&A), den Kauf und Verkauf von Beteiligungen und Unternehmen sowie auf die finanzielle und organisatorische Struktur innovativer Start-ups.
Mit der Einrichtung des Zentrums soll nicht nur die Forschung an der unibz weiter ausgebaut werden, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit des lokalen Wirtschaftssystems gestärkt werden. Durch Konferenzen, Seminare, Fortbildungskurse und Workshops, die sich an die wichtigsten Stakeholder der Region richten, wird das Zentrum den direkten Wissenstransfer zwischen Universität, Unternehmen, Freiberuflern und Institutionen fördern. Somit können konkrete Synergien sowie spezialisierte Kompetenzen in einem Bereich geschaffen werden, der für die Internationalisierung entscheidend ist.
„Mit diesem Kompetenzzentrum festigt die unibz ihre Rolle als Brücke zwischen Forschung und Region“, erklärt der Direktor des Zentrums und Rechtsanwalt Prof. Peter Agstner. „Ziel ist es, wissenschaftliches Wissen auf hohem Niveau zu zentralen Themen der Unternehmens- und Marktentwicklung zu erarbeiten und dieses in den Dienst der lokalen Wirtschaft zu stellen. In einem Kontext wie Südtirol mit seinen vielen internationalen Transaktionen kann eine solche akademische Anlaufstelle für Unternehmensrecht und internationale Besteuerung hilfreiche Instrumente bereitstellen, um Wandel zu verstehen, Wachstumsprozesse zu begleiten und die Wettbewerbsfähigkeit des Territoriums zu stärken.“
Darüber hinaus zielt das Zentrum darauf ab, ein lokales, nationales und internationales Netzwerk von Forschenden sowie Fachleuten aufzubauen und die Verbreitung von Wissen auch in vergleichender und grenzüberschreitender Perspektive zu fördern. Zu den weiteren Zielen zählen die Einwerbung nationaler und europäischer Drittmittel für Forschung und Third Mission, die Förderung anwendungsorientierter Forschung sowie die Unterstützung des Ökosystems innovativer Start-ups. Das neue Kompetenzzentrum wird finanziell von der Freien Universität Bozen, der Stiftung Südtiroler Sparkasse, der Südtiroler Sparkasse und Bureau Plattner unterstützt – ein Beleg für die konkrete Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und den zentralen Akteuren der regionalen Wirtschafts- und Berufswelt.
Die Tagung
Am 8. Mai 2026 veranstaltet das Kompetenzzentrum die erste einer Reihe wissenschaftlicher Tagungen. Unter dem Titel „Die Auswirkungen jüngster Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte auf die steuerrechtliche Ordnung sowie auf den Austausch von Beweismitteln zwischen Straf- und Steuerverfahren“ werden dabei die Garantien der Steuerpflichtigen bei Steuerprüfungen, der Austausch von Beweismaterial zwischen Straf- und Steuerverfahren, die Verwertbarkeit von Beweisen sowie Perspektiven für gesetzgeberische und rechtsprechende Anpassungen beleuchtet.
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